Burning hell
Tom Jones, 2010
Der
Blues ist der Legende nach der Urvater des Rock'n'Roll und
schließlich der Rock- und Popmusik. Von Zeit zu Zeit geschieht es,
dass Elemente des einen Stils die Performance des anderen
beeinflussen oder gar bestimmen. Tom Jones hat in seinem grandiosen
Album „Praise & Blame“ 2010 eine solche gekonnte Stilmischung
vorgelegt und seinen Beitrag zur Reife des Rock geleistet.
Ausgerechnet er, der mit seinem
Pop-Erfolg der 60er und 70er und seiner Las Vegas-Vergangenheit noch gar nichts Großartiges für die Geschichte der populären Musik geleistet hatte.
http://www.youtube.com/watch?v=qIO8z4yOA8wPop-Erfolg der 60er und 70er und seiner Las Vegas-Vergangenheit noch gar nichts Großartiges für die Geschichte der populären Musik geleistet hatte.
Tom Jones, Burning hell
Sein Song „Burning Hell“ greift das Motiv des Bekenntnisses und der Erlösung auf, wie es im Gospel und im Blues viele Beispiele hat. Die Perspektive ist ausschließlich die des berichtenden und bekennenden Ichs, der beispielhaft Situationen schildert, in der er sich darum bemüht, von seinen Fehlern und Sünden befreit und erlöst zu werden. Der Erzähler ist auf dem Weg zur Kirche, um dort auf den Knien zu beten: "I'm going down
to
the church house,
get
down
on
a Bended knee."
Und
dort bittet er Deacon Jones, vermutlich den in den USA auch wegen
seines sozialen Engagements populären Football-Spieler, ein gutes
Wort für ihn einzulegen: "Deacon Jones please pray for me."
Er zweifelt an der Existenz von Himmel und Hölle, ist sich aber nicht ganz sicher:
"Maybe there ain't no heaven
Maybe there ain't no hell
Maybe there ain't no heaven
No burning hell"
Warum fragt er sich das? Irgendetwas muss ihn dazu gebracht haben, über die Existenz von Himmel und Hölle, Gott und Teufel, Schuld und Sühne nachzudenken. Seine Sorgen müssen dabei so groß geworden sein, dass er sich selbst in die Kirche begibt, um zu beten und zu bitten und sogar den Beistand von Deacon Jones erbittet.
Das nächste Ziel seiner Wanderung auf dem Weg zur Erlösung ist der zur Kreuzung, zum Scheideweg, an dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Dort aber hofft er den Teufel zu treffen, wie es in alten Sagen und Legenden erzählt wird, dass dort der Teufel dem Wanderer auflauert. Vielleicht kann er mit ihm einen Handel abschließen?:
"I'm going down to the cross roads
With no devil
Well I'll make a deal
I'm going down to the cross roads
With no devil
Well I'll make a deal"
Die Unsicherheit bleibt. Selbst der Teufel ist ein unsicherer Geschäftspartner, mit dem man nur schwer Verträge schließen kann. Was bleibt dem verängstigten Ich dann noch, als alle Menschen anzusprechen und darum zu bitten, ihm zu sagen, ob es dort draußen irgendwo einen Himmel gibt:
"When I die
Where will I go
When I die
Where will I go?
Somebody tell me
Somebody tell me
Somebody please tell me"
Was wird mit ihm geschehen, wenn er stirbt? Wohin wird er gehen, Himmel oder Hölle? Ist er reuig? Ist er geständig? Was hat er sich zu schulden kommen lassen? Wie ernst ist es? Wie schlimm steht es um ihn? So schlimm, dass andere gute Seelen ein Wort für ihn einlegen müssen? Dass sogar der Teufel mit einem Pakt oder einem Handel milde gestimmt werden muss? Was ist es, was ihn so ruhelos umtreibt, ihn so ängstlich macht, so sehr der Verzweiflung nahe kommen lässt? Wir erfahren es nicht, weil der Ich-Erzähler nur seine Sicht der Dinge schildert und keine weiteren Hinweise gibt. Himmel und Hölle scheinen beide unerreichbar und bleiben stumm angesichts seiner Bitten um Reaktion, um Erlösung.
Er zweifelt an der Existenz von Himmel und Hölle, ist sich aber nicht ganz sicher:
"Maybe there ain't no heaven
Maybe there ain't no hell
Maybe there ain't no heaven
No burning hell"
Warum fragt er sich das? Irgendetwas muss ihn dazu gebracht haben, über die Existenz von Himmel und Hölle, Gott und Teufel, Schuld und Sühne nachzudenken. Seine Sorgen müssen dabei so groß geworden sein, dass er sich selbst in die Kirche begibt, um zu beten und zu bitten und sogar den Beistand von Deacon Jones erbittet.
Das nächste Ziel seiner Wanderung auf dem Weg zur Erlösung ist der zur Kreuzung, zum Scheideweg, an dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Dort aber hofft er den Teufel zu treffen, wie es in alten Sagen und Legenden erzählt wird, dass dort der Teufel dem Wanderer auflauert. Vielleicht kann er mit ihm einen Handel abschließen?:
"I'm going down to the cross roads
With no devil
Well I'll make a deal
I'm going down to the cross roads
With no devil
Well I'll make a deal"
Die Unsicherheit bleibt. Selbst der Teufel ist ein unsicherer Geschäftspartner, mit dem man nur schwer Verträge schließen kann. Was bleibt dem verängstigten Ich dann noch, als alle Menschen anzusprechen und darum zu bitten, ihm zu sagen, ob es dort draußen irgendwo einen Himmel gibt:
"When I die
Where will I go
When I die
Where will I go?
Somebody tell me
Somebody tell me
Somebody please tell me"
Was wird mit ihm geschehen, wenn er stirbt? Wohin wird er gehen, Himmel oder Hölle? Ist er reuig? Ist er geständig? Was hat er sich zu schulden kommen lassen? Wie ernst ist es? Wie schlimm steht es um ihn? So schlimm, dass andere gute Seelen ein Wort für ihn einlegen müssen? Dass sogar der Teufel mit einem Pakt oder einem Handel milde gestimmt werden muss? Was ist es, was ihn so ruhelos umtreibt, ihn so ängstlich macht, so sehr der Verzweiflung nahe kommen lässt? Wir erfahren es nicht, weil der Ich-Erzähler nur seine Sicht der Dinge schildert und keine weiteren Hinweise gibt. Himmel und Hölle scheinen beide unerreichbar und bleiben stumm angesichts seiner Bitten um Reaktion, um Erlösung.
Exemplarisch für den Menschen in seiner Seelennot, der sich direkt an Gott oder höhere Mächte wendet, um Hilfe zu bekommen, um Gnade zu finden, steht der Sänger dort und breitet seine Seelenpein aus. Alles bleibt in der Schwebe, nichts wird eindeutig bezeichnet, es werden keine Begründungen gegeben und keine Beichten abgelegt - was bleibt, ist das herzzerreißende Plädoyer zu Gunsten des Ichs. Mag sein, dass da kein Himmel und auch keine Hölle ist, aber was ist, wenn es doch wahr ist? Wenn das Sündenkonto voll ist und es keine Ausgleichs- und Wiedergutmachungschancen mehr gibt?
Der
Song endet, wie er begonnen hat, er verspricht nichts und er klärt
nichts. Dennoch mahnt er den Zuhörer indirekt, sich um sein eigenes
Seelenheil zu kümmern und sich am Erzähler kein Beispiel zu nehmen.
Und ob es eine willkommene Lösung wäre, gäbe es weder Himmel noch
Hölle, bleibt ebenso unbeantwortet. Unbeantwortbar. Bliebe also nur
die Konsequenz, ein gottgefälliges, sündenfreies Leben zu führen,
um einer Gerichtsbarkeit zu entgehen. Doch dies kann sich schon zu
Lebzeiten wie die brennende Hölle anfühlen, die burning hell, die
es, ironischerweise, im Jenseits vielleicht gar nicht gibt, no burning
hell, no...

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