Statt eines Vorworts

While riding on a train goin’ west
I fell asleep for to take my rest
I dreamed a dream that made me sad
Concerning myself and the first few friends I had...

How many a year has passed and gone
And many a gamble has been lost and won
And many a road taken by many a friend
And each one I’ve never seen again

I wish, I wish, I wish in vain
That we could sit simply in that room again
Ten thousand dollars at the drop of a hat
I’d give it all gladly if our lives could be like that
Bob Dylan's Dream, 1964

Sonntag, 22. Juli 2012

(Good riddance) Time of your life



(Good riddance) Time of your Life
Greenday, 2009


Zu den gängigen Themen der Lyrik und des Song Writings gehört unter anderem der Abschied, die Trennung. Sei es auf Zeit, sei es auf ewig, die Trennung gehört zum Leben als Gegenstück der Liebe und des Verliebens ebenso hinzu wie zu seiner lyrischen Umsetzung. Der Song der amerikanischen Band Greenday allerdings nimmt sich des Themas auf eine spezielle Art und Weise an. 





http://www.myvideo.de/watch/5632436/Green_Day_Good_Riddance_Time_Of_Your_Life
Greenday, Time of your life


Der Abschied wird gleich zu Beginn als ein wichtiger Wendepunkt im Leben der geliebten Frau erkannt, wichtiger als das Bleiben ist das Gehen: "Another turning point, a fork stuck in the road." Sie ist genauso wenig die Herrin über das, was den beiden nun geschieht, wie er selbst: "Time grabs you by the wrist, directs you where to go." Er stellt dies fest, er beschreibt die Lage nur, denn aus seiner Sicht trifft er auf einen Gegenspieler, dem er wohl nichts entgegenzusetzen hat: Die Zeit selbst greift nach der Hand seiner Geliebten und zeigt ihr die Richtung, in der sie ab nun zu gehen hat. Ihm bleibt angesichts der schicksalhaften Unabänderlichkeit ihrer Pläne nichts Anderes übrig, als ihr alles Gute zu wünschen: "So make the best of this test, and don't ask why," mach's Beste draus und frag nicht lang nach einem Sinn, gibt er ihr mit auf den Weg: "It's not a question, but a lesson learned in time." Es ist offenbar keine Frage, die die Zeit, das Schicksal, hier stellt, und auf die vielleicht unterschiedliche Antworten möglich wären, sondern es ist eine Lektion, die gerade rechtzeitig gelernt werden soll. 


Keine Silbe von sich selbst
Soll man ihm ankreiden, dass er sie nicht bittet zu bleiben? Soll man ihm nachweisen, dass er einen Fehler macht, wenn er sie nicht hält oder wenigstens versucht zu halten? Es ist ja etwas, was man nicht vorher sagen kann, stellt er fest, am Ende aber wird es seine Richtigkeit haben: "It's something unpredictable but in the end it's right," und deshalb wünscht er ihr die beste Zeit ihres Lebens dort, wo sie nun hinfährt: "I hope you had the time of your life." Er spricht mit keiner Silbe von sich selbst und seinen Empfindungen, er beschreibt lediglich ihre Situation, wenn sie offenkundig eine Chance offeriert bekommt, die man vielleicht nicht so häufig im Leben geboten bekommt. Also was wäre schlimmer, als sich zwischen sie und die Verwirklichung ihrer Träume zu stellen, indem er sie bekniete, die Chance nicht wahrzunehmen? 


Ihm fällt statt dessen nur ein, sie zu bitten, die Fotos und Bilder, die sie in ihrem Kopf hat, mitzunehmen und nicht zu vergessen: "So take the photographs and still frames in your mind. Hang it on a shelf," bittet er sie, "in good health and good time." Auf das Regal soll sie sie stellen und sich immer erinnern, zu jeder Zeit. Was bleibt, sind Erinnerungen wie ein altes Tattoo, nunmehr wie tote Haut, die eine Zeit des Versuchs, des Ausprobierens markiert: "Tattoos of memories and dead skin on trial." Aber, so zieht er seine Bilanz, "for what it's worth," für was auch immer diese Trennung gut sein mag, "it was worth all the while," es war die gemeinsam verbrachte Zeit allemal wert. Und in diesem Sinne lässt er sie gehen, er legt ihr keinen Stein in den Weg, um das Andenken an die schöne gemeinsame Zeit damit nicht zu belasten. Und wieder sagt er, es sei ja nicht vorhersagbar gewesen und sicher werde es sich am Ende als das erhoffte Gute herausstellen. 


Nicht ganz klar wird es, warum der Abschied so unumgänglich ist und weshalb die Beziehung keinerlei Zukunft mehr haben soll. Beide Partner verlieren darüber kein Wort, beiden scheint die Aussichtslosigkeit in diesem Moment klar zu sein und beide sind damit einverstanden. Sie kommt nicht zu Wort, er zitiert sie nicht und bezieht sich mit nichts auf etwas, was sie möglicherweise gesagt haben könnte. Auch wird so nicht klar, ob er sie ermutigt zu gehen, weil er die Chance in diesem Angebot für sie erkennt, oder ob er ihre Argumentation übernommen hat. Ihre Haltung, ihre Einstellung wird eigentlich so gar nicht deutlich. An dieser Stelle bleibt der Text stumm, wenn er danach befragt wird, was die tatsächlichen Beweggründe für seine Haltung sein mögen und wie die Diskussionen zwischen beiden verlaufen sind. Auffällig ist, dass nicht von einer Rückkehr, einem baldigen Treffen oder seinem Umzug zu ihr die Rede ist. Offenbar hatte die gemeinsame glückliche Zeit keine Möglichkeit beinhaltet, einen engen Zusammenhalt zu erzeugen, der die erstbeste Trennung überwinden hülfe.


Er, und nur von ihm erfahren wir hier etwas, er ist letztlich einverstanden mit dem, was ihnen beiden geschieht. Er lehnt sich nicht dagegen auf, er kämpft nicht oder auch schon nicht mehr. Am Ende, so sagt er, wird es seine Richtigkeit haben, wird es nicht falsch sein, diese getrennten Wege zu gehen. Da bleibt dann kein Platz mehr für Liebesschwüre und Phantasien über eine glückliche Wiedervereinigung übers Jahr, wenn der nächste Sommer kommt, wie es vermutlich in einem deutschen Schlager gewendet werden würde. Good riddance, wir haben es geschafft, und tschüss, sagt er ihr und wünscht ihr alles Gute zum Abschied. Ob sie es genauso sieht? Wir erfahren es nicht.

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